Gründung

Die Gründung des Musikzuges erfolgte im März 1921 durch Musiker aus Silschede und Haßlinghausen. Erstes Probenlokal war in der Mitte zwischen beiden Orten in der Gaststätte am Hedtberg (auf der Gevelsberg zugewandten Seite vom Hoppe). Später zog man nach Haßlinghausen in die Gaststätte Brenne.

 

Die Sprockhöveler Musiker haben sich lange Zeit über aus wenigen Musikerfamilien zusammengesetzt, die über Generationen hinweg für den Nachwuchs gesorgt hatten. Ein heutzutage eher unüblicher Zustand konnte so eintreten: Zeitweise trugen ein halbes Dutzend Musiker den gleichen Nachnamen. Die Ausbildung der „Neulinge“ im Sprockhöveler Orchester wurde von ehemaligen Militärmusikern durchgeführt, als Beispiel sei Fritz Landgraf erwähnt, der im Kaiserregiment als Flügelhornist gedient hatte.

Erstes Foto des Musikzuges

 

Die Musiker wurden eine Abteilung der Amtsfeuerwehr Haßlinghausen. Der Probenbetrieb wurde alsbald in das "Wehrlokal" Gaststätte Zum Amtshaus verlegt.

Nationalsozialismus und Krieg

In der Zeit von 1933 bis 1945 erlitten viele Blaskapellen das Schicksal, dass sie der Maschinerie der Nationalsozialisten einverleibt wurden. Die Sprockhöveler Musiker wehrten sich lange Zeit durch Passivität in eine Standartenkapelle umfunktioniert zu werden, mit Erfolg. Jedoch fand zu der Zeit auch die Umbenennung der Feuerwehr in „Feuerschutzpolizei“ statt, hiermit sollte unterstrichen werden, dass die Feuerwehr ebenso dem Staat unterstand wie die Polizei. Ein merkwürdiges Ergebnis bildeten die grünen Löschfahrzeuge. Doch die „Feuerschutzpolizei-Musiker“ wurden teils eingezogen, so dass das Orchester teilweise nur noch aus einem Viertel seiner ursprünglichen Größe mit 25 bis 30 Musikern bestand und kaum mehr spielfähig war. Somit wurde beschlossen mit der Feuerwehrkapelle Haßlinghausen zu fusionieren, die Proben wurden abwechselnd in Sprockhövel und Haßlinghausen veranstaltet. Beerdigungen, Volksfeste und zu der Zeit für Propagandazwecke übliche Beerdigungsparaden, die auf der Hauptstrasse zum Gefallenengedenken stattfanden, bildeten zu dieser Zeit den Einsatzschwerpunkt des Blasorchesters. Dabei waren Beerdigungen die einzigen Veranstaltungen, auf denen die Kapelle ohne eine Genehmigung der Reichsmusikkammer aufspielen durfte. Musiker hatten einen Ausweis mitzuführen, der sie berechtigte Musik zu machen. Somit sollte ein Grundniveau in der musikalischen Qualität erzielt werden. Dieses System bewährte sich nach dem Krieg übrigens in der deutschen demokratischen Republik.

Einen absoluten Tiefpunkt in der Geschichte des Orchesters stellte das Jahr 1945 dar: Nach dem Raub der Noten musste der Spielbetrieb eingestellt werden, da Geld für neues Notenmaterial fehlte.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit suchte man auch in Sprockhövel nach neuen Zielen, an denen man sich orientieren konnte. Die Musiker konnten in den ersten Nachkriegsjahren nur notdürftig auf teilweise kaputten Instrumenten spielen, dabei waren unter anderem verbeulte Instrumente der ehemaligen Wehrmacht. Nur langsam konnte neues Notenmaterial angeschafft werden, jedoch bekamen die Musiker neue Literatur von den ehemals in Sprockhövel gegründeten und nach dem Krieg aufgelösten Werksorchestern der Bergbauzulieferbetriebe Hauhinco und Hausherr. Nur 12 bis 14 Mann wies die Stärke des Orchesters auf, von denen die meisten kriegsgeschädigt waren. Des Weiteren waren manche Musiker sich spinnefeind geworden, sie weigerten sich auf Grund verschiedener politischer Gesinnungen nebeneinander in einem Orchester zu sitzen. Die ersten Auftritte, die in der Nachkriegszeit stattfanden, waren Beerdigungen, Dienste für den heimischen Knappenverein und Dienste für Verletzte. Erst um 1950 begann man wieder auf Weihnachtsfeiern zu spielen, die Stärke war auf 25 Musiker angestiegen.